Aus den Workshops

Wir haben ein intensives Wochenende mit Aimen (14), Bilal (15), Kamal (16), Malik (14) und Merveile (16) verbracht. Am Ende waren alle ein bisschen erschöpft, aber – so viel können wir sagen – auch ziemlich glücklich. Wir durften erfahren, was in den Köpfen von fünf jungen Männern mit afrikanischen Wurzeln vor sich ging. Wie sie auf eine Begegnung mit Kunstwerken im Museum reagieren, was sie sehen, was sie denken. Und wir konnten sehen, wie sie sich im Laufe der beiden Workshops immer mehr im Museum “heimisch” fühlten.

Für all diejenigen, die einen Workshop mit Jugendlichen am Wochenende planen wollen: vorab ein Tipp von uns: es kommt nicht so gut, wenn man vor 12.00 Uhr beginnt.

Aber trotz schlechter Witterungsbedingungen waren alle Jungs pünktlich zur verabredeten Zeit und schon gespannt, was jetzt auf sie warten würde. Ein Kunstmuseum. Moderne Kunst und auch noch zu Anfang eine psychologische Kunstbetrachtung! Eine Herausforderung, der sie sich gerne stellten. Sie waren extrem aufgeschlossen und freuten sich vor allem auf das Agieren vor der Kamera! Dennis Hartmann und seine Kollegen von der Movie Crew hatten bereits am vergangenen Wochenende das Vertrauen der Jugendlichen gewonnen. Dieser Akt der Vertrauensbildung war sicher schon, wie man so schön sagt “die halbe Miete”! Uns ist noch einmal sehr deutlich geworden, wie wichtig es sein kann, bei Programmen mit Jugendlichen mit erfahrenen Sozialpädagogen zusammenzuarbeiten. Wie wir schon mal festgestellt haben, tat die Faszination “Kamera” ein übriges.

Auch Omar El-Saeidi schaffte es in kürzester Zeit, sich auf die Ebene der jungen Männer einzulassen. Mit sehr viel Empathie schwor der Schauspieler die Gruppe ein und konnte sie so während der zwei Tage sicher durch die verschiedenen Übungen führen. Erfahrungen mit szenischer Darstellung hatte keiner der Jungen. Dass sie im Laufe der Zusammenarbeit immer sicherer auch in den eigenen Äußerungen wurden, hat auch mit den Erfahrungen zu tun, die sie hier machen konnten. Man kann erahnen, welche Möglichkeiten sich aus einem langfristigen Coaching ergeben könnten!

Das Thema des Helden wurde im Museum Ludwig anhand des Warhol-Bildes “Double Elvis” bearbeitet. Hans-Christian Heiling brachte die Jugendlichen dazu, eine halbe Stunde lang sehr intensiv zu beschreiben, was sie in dieser Darstellung sehen. Spannend, wie die zunächst positive Wirkung des Stars, der vorgibt, ein Cowboy zu sein, zunehmend kippte. Das stete Nachfragen des Psychologen war sicher nicht ganz einfach, brachte die Jugendlichen aber dazu, an einem ersten Eindruck dran zu bleiben, in sich zu hören und zu schauen, was das Bild bei ihnen im Inneren auslöst. Es war anstrengend, aber irgendwie fanden sie es anschließend erstaunlich, was aus ihnen herausgeholt wurde. In den darauffolgenden theaterpädagogischen Übungen ging es vor allem auch darum, wie sich eine Rolle, die man spielt, in Körperhaltungen manifestiert. Dass dabei auch mit den sprachlichen Aspekten von “schwarz” und “weiß” gespielt wurde, brachte ein weitere Variante in die Auseinandersetzung mit unserem Heldenthema.

Am Sonntag dann ging es zur “alten” Kunst. Die Gruppe junger Männer mit afrikanischen Wurzeln begegnete einer Gruppe gesetzter Männer aus dem Rubens-Kreis. Der Maler stellte sich im Kreise seiner Mantuaner Freunde dar und in der psychologischen Bildbetrachtung kam dann heraus, dass es durchaus auch problematische Aspekte dieser auf den ersten Blick freundlichen Darstellung gibt. Die Jungs sahen sofort, dass es nicht nur Vorteile hat in einer Gruppe Gleichgesinnter zu sein. Es ging nämlich um die Frage von Status und Positionierung. Damals wie heute! Einmal mehr lohnte es sich, die Betrachtung durch häufiges Nachfragen auch in das Unterbewusstsein zu bringen.

Wie gestalte ich bestimmte Situationen in der Gruppe. Wodurch erkennt man den Status, den man in einer Gruppe einnimmt? Mit Spielszenen führte Omar El-Saeidi die Jugendlichen in unterschiedliche Settings, die sie dann entsprechend gestalten mussten. Es ging darum, sich vorzustellen, welche “Vorbilder” bzw. “Helden” man um sich scharen würde. Es ging aber auch darum, in Gruppen zu agieren und zu erkennen, wie sich Beziehungsgeflechte auswirken können. Herrlich, zu sehen, wie sich die barocke Truppe von Gelehrten um Peter Paul Rubens plötzlich mit der alltäglichen Situation einer Männer-WG vermischte. Das Gemälde wurde inszeniert, seine Protagonisten in Geschichten verwickelt, die aus dem Bild heraus in die Lebenswirklichkeit der jungen Männer führte. “Was hat das Geschehen auf dem Bild mit mir zu tun” ist doch sicher eine Frage, die sich manch einer im Museum schon mal gestellt hat. Hier gab es Ansätze zu Antworten dazu.

Hier sind noch mal all unsere “Helden” auf einen Blick. Danke, dass ihr euch auf uns und die Kunst eingelassen habt. Wir sind sicher, dass wir uns nicht zum letzten Mal gesehen haben.

 

 

Ein Kommentar

  1. Karin Rottmann

    Wir müßten am Ball bleiben!
    Anke von Heyl hat sehr schön die Arbeitsatmosphäre der Workshops dargestellt. Auch ich habe an den Workshops teilgenommen und war begeistert von der Intensität der Situationen. Mich überfällt nach Abschluss derartiger Projekte immer auch ein wenig Wehmut, weil ich den hoch motivierten Jugendlichen keine konkreten Fortsetzungsangebote machen kann und die Intensität der Eindrücke sehr schnell von anderen überlagert wird. Natürlich halten wir Kontakt und es kommt durchaus vor, dass einzelne Jugendliche gern bereit sind, noch einmal für uns aufzutreten oder sich in Projekte integrieren lassen.
    Dazu möchte ich einen Link zu einem Projekt angeben, bei dem Nazim Özdemir als Teilnehmer aus einem Jugendprojekt spontan bereit war, bei einem Film für eine Gedichtrezitation für unseren lyrix-Wettbewerb mitzuwirken (http://www.museenkoeln.de/museumsdienst/default.asp?s=3644&tid=447&kontrast=&schrift=)
    Unser Projekt war darauf angelegt, Museen als Orte vorzustellen, in denen Jugendliche ganzheitlich und in viele Richtungen gefördert werden:
    Geschichte über einzelne Individuen kennenlernen;
    Köln als Heimat auch in einem geschichtlichen Kontext erlebbar zu machen;
    Kunst als einen Ausdruck von Ambivalenz kennenzulernen;
    Sich selbst in Relation mit den großen Themen der Menschheit und Kunst zu erfahren;
    Sich selbst persönlich weiter zu entwickeln und aktiv im Kulturbetrieb unserer Stadt zu artikulieren;
    Methoden des Selbstausdrucke über Diskussion, Theaterspiel und Fimdokumentation zu erproben.
    Das alles erreicht man nicht mit einmaligen Aktionen. Wir müssen über Finanzierungsmöglichkeiten für nachhaltige Konzepte diskutieren.

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