Samstagnachmittag im Museum

Uns interessiert ja sehr, wie unsere jeweiligen Partner das Heldenprojekt wahrnehmen, welche Erfahrungen sie weitergeben können und was von der Idee vielleicht auch in die Zukunft wirken kann. Dazu hat Karin Rottmann ihre Kollegin Barbara Kirschbaum interviewt.

KR

Liebe Barbara, du hast den Sprung ins „Kalte Wasser“ gewagt und hast das „Heldenprojekt“ mit den Jugendlichen gestartet. Mich interessiert natürlich, wie du die Gruppe erlebt hast?

BK

Die Gruppe war klasse. Anfangs ein wenig ruhig, dann aber immer lebendiger. Und das, obwohl man doch eigentlich samstags “um 14 Uhr langsam aufsteht und dann frühstückt”.

KR

War die Gruppe anders als andere Gruppen in deinem Museum?

BK

Ehrlich gesagt, ich kann das nicht wirklich vergleichen, weil ich sonst nie mit einem Kamerateam unterwegs bin.

KR

Wie haben die Jugendlichen auf das Thema reagiert?

BK

Ich fand, die haben sehr gut reagiert. Das Thema fanden sie spannend und sie haben direkt Bezüge zu sich selbst hergestellt – z.B. indem sie  Malcolm  X mit ins Spiel brachten.

KR

Welches Verhältnis haben sie zur Deutschen Geschichte, speziell zur Nazizeit?

BK

Mein Eindruck war, dass sie kein spezielles Verhältnis zur Nazizeit hatten. Wie alle anderen Schüler auch hatten einige Teilnehmer des Workshops erste Einblicke durch ihren Geschichtsunterricht und andere noch nicht. Es wurde weder Abneigung noch besonderes Interesse formuliert.

KR

War das Thema “Helden in Schwarz und Weiß” als Projektthema geeignet

BK?

Im Prinzip kann ich dazu ja sagen. Das Thema ist aber generell sehr komplex und ich konnte nur sehr knapp auf “Jugendwiderstand” eingehen. Ich hatte mir vorgenommen, auf diesen Aspekt ausführlich einzugehen, aber da war plötzlich die Zeit um. Aber es war gut, ihnen für die Erarbeitung  des Gesamtzusammenhangs die Zeit zu lassen.

KR

Welche Fragestellungen könnten die Jugendlichen noch interessieren?

BK

Das Thema „Jugendwiderstand“ ist wohl sehr interessant, wenn man damit nicht um 15 Uhr erst anfängt…

KR

Welche Tipps kannst Du uns für die nächsten Workshops geben?

BK

Du weißt, ich arbeite in einem historischen Museum und du wirst psychologisch und theaterpädagogisch mit ausgewählten Kunstwerken in den Kunstmuseen arbeiten. Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, wie die Jugendlichen das Kunstthema finden und welche Zugänge da klappen. Ich kann nur sagen, die Gruppe war sehr gesprächsbereit und interessiert, so dass ihr nicht mit Widerständen rechnen müsst. Also wenn man Methoden nutzt, die den Dialog fördern… Vor allem muss deutlich werden, dass man an ihrer Meinung ernsthaft interessiert ist.

KR

Wie könnten wir das Projekt nachhaltig machen?

BK

Es wäre schon schön mit diesen Jugendlichen weiter zu arbeiten – es ist halt immer ein Finanzierungsproblem… Vielleicht erreichen wir über das Projekt mit dem Museumsbund, dass die vielen verschiedenen Zielgruppen Gelegenheit bekommen, mit interessanten Themen „die Museen erobern“ zu können, denn die sind was für uns alle!

KR

Würdest Du etwas am Projekt ändern wollen?

BK

Für mich war es ein sehr schöner Tag. Ich habe ja in der Helden-Frage durchaus so meine Defizite in der Arbeit mit Jugendlichen, da ich einer ganz anderen Generation angehöre. Und dazu bin ich noch eine Frau! Da haben die Workshopteilnehmer mir schon ein wenig Einblick in ihre Gedankenwelt gegeben – dass es zum Beispiel gegen ihre Ehre ginge, wenn ich als Mutter sie verstecken würde zwecks Desertion…Obwohl ich als Mutter dann eigentlich schon eine Heldin wäre. Was ich ganz besonders schön fand, war bei allen ein ausgeprägtes Verständnis von Solidarität.

Der “Gallery walk” am Anfang war übrigens ein ganz guter Einstieg.

Sehr schön war auch die spontane Idee, dass alle Beteiligten – inclusive Assistentin, Kameramann und Tonmann, und auch ich – am Schluss in der Gedenkstätte ein Elfchen schrieben und dies auch vortrugen. So waren wir wirklich ein Team – und nicht die Jugendlichen als Objekte unserer pädagogischen Bemühungen abgesondert. Gut war auch, dass es auch immer jemand aus der Gruppe gab, der mit großem Ernst die Aufgabe “Mikro” oder “Kamera” übernommen hat. Vielleicht könnte man mal überlegen, die Jugendlichen bei so einer Aktion selbst mit der Kamera herumgehen zu lassen….

KR

Vielen Dank, Barbara! Dann drück uns mal die Daumen für das nächste Wochenende.

 

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