Theaterhelden und mehr …

Am kommenden Wochenende besuchen die Teilnehmer unseres Heldenprojektes die Kunstmuseen. Dort werden sie mit psychologischer Bildbetrachtung und theaterpädagogischen Übungen ihren eigenen Heldenbegriff bearbeiten. Wir sind schon wahnsinnig gespannt auf das, was wir alle dort erleben werden. Omar El-Saeidi ist als Schauspieler im Ensemble des Bielefelder Theaters tätig und seit Jahren ein wichtiger Partner in vielen unserer museumspädagogischen Projekte. Er bringt mit seiner Erfahrung und den theaterpädagogischen Übungen eine spannende Facette in die Museumsarbeit, die immer wieder überraschende Perspektiven ermöglicht. Wir wollten von ihm natürlich auch wissen, was er vom Heldenprojekt erwartet.

AvH

Omar, du wirst als Schauspieler natürlich mit einem ganz besonderen Hintergrund zum Thema „Helden“ in das Projekt einsteigen. Welche Theater-Helden hast du schon spielen dürfen? Und welcher liegt dir vielleicht am meisten am Herzen?

Omar El-Saeidi

Nun, so einfach ist diese Frage gar nicht. Spontan würde mir gleich so Rollen wie Orest in Sartres „Die Fliegen“, Lopachin in Teschechows „Der Kirschgarten“ oder Büchners „Woyzeck“ einfallen. Aber das sind Figuren, die nicht so wirklich in das klassische Klischee des Helden fallen würden, der tugendhaft, stark und unfehlbar ist.  Im Gegenteil sie sind sehr fehlbar. Das es auch der Grund, warum sie mir so am Herzen liegen. Sie sind Täter und Opfer zugleich. Individuen ihrer Zeit und deren Gegebenheiten. Auch wenn Sie so oder so agieren, reagieren Sie im Grunde auf Ihr Umfeld und die Menschen, die es bestimmen. Gehen Wege, die vermeidlich falsch und richtig sind. Also machen diese „Helden“, das was jeder von uns tagtäglich auch tut, Entscheidungen treffen. Sind wir dann einfach alle Helden? Nun, da wäre wir ja gleich bei der spannenden Frage, was ist denn „der Held“ und somit beim Thema des Workshops, den wir mit den Jugendlichen machen wollen.

AvH

Der Begriff des „Helden“ wird ja in der Kunst und sicher auch im Theater mit ganz bestimmten Motiven verbunden. Wo würdest du bei den Jugendlichen anknüpfen, um deren Heldenbegriff herauszuarbeiten?

O. E.-S.

Ich weiß gar nicht, ob der Begriff des „Helden“ in der Kunst und im Theater mit bestimmten Motiven verbunden ist. Dafür sind Künstler und Theatermacher doch so verschieden und es liegt in der Natur dieser Menschen sich prinzipiell kontrovers mit Dingen auseinanderzusetzen. Doch ich denke, dass viele Menschen und da gehöre ich auch dazu, den Begriff des „Helden“ mit bestimmten Motiven verbinden. Allein durch die Medien ist der Held mit bestimmten Bildern verknüpft: Batman, Superman, Spiderman… oder die ganzen Kampfsportler fallen mir.  Mir fallen auch gleich Charaktereigenschaften wie unfehlbar, ehrlich, gut, diszipliniert und stark ein. Auch ist der Begriff „Held“ so stark geprägt, weil sehr viele Geschichten unserer Zeit sich oft mit dem Thema „gut“ und „böse“ beschäftigen. Der Held ist dann ganz oft auf der Seite des Guten zu finden.

Mich interessiert es sehr, wie die Jugendlichen den Begriff des Helden für sich sehen. Immer wieder übernimmt man eine vage Haltung zu einem Thema. Oft das, was uns so von unserem Umfeld vorgegeben wird. Mit Hilfe der Workshops und der Exponate beschäftigen wir uns im Museum ganz konkret mit einem Thema, von dem wir gedacht haben, da gebe es nichts mehr herauszufinden. Und entdeckt dann doch ganz neue Dinge. Sachen, die wir so noch nicht gesehen haben. Das finde ich sehr spannend. 

AvH

Helden in verschiedenen Kulturen – da spielt der Migrationshintergrund der Teilnehmer an unseren Workshops eine wichtige Rolle. Kannst du uns noch einmal kurz schildern, wie du dieses Thema vor allem auch vor dem Hintergrund der Arbeit im Museum siehst?

 

O. E.-S.

Das Schöne an der Arbeit im Museum ist, dass wir mit den verschiedensten Bevölkerungsgruppen Workshops machen und natürlich hat jeder Mensch eine andere neue spannende Sicht auf Dinge. Jeder sieht ein Bild anders, weil jeder Mensch eine eigene Geschichte, einen eigenen Charakter, einen eigenen Hintergrund, einen eigenen Blickwinkel hat. Diese Blickwinkel auszutauschen, darüber zu diskutieren, ist die Basis für Verständnis und letztendlich für ein offenes und friedvolles Miteinander.

 

AvH

Jetzt wird es ja ganz gezielt um männliche Sichtweisen auf das Thema gehen. Glaubst du, dass da der Heldenbegriff leichter zu packen sein wird?

 

O. E.-S.

Das weiß ich gar nicht… Teilnehmer des Workshops sind männliche Jugendliche, darum wird es unumgänglich sein eine männliche Sichtweise auf dieses Thema zu haben. Es wird im Museum auch bald ein ähnliches Projekt mit jungen Frauen geben, um natürlich auch die andere Seite zu diesem Thema zu erfassen. Ob es in diesem Zusammenhang leichter oder schwerer wird, dieses Thema zu ergründen, hängt eher von der Lust und Laune der einzelnen Teilnehmer ab sich zu beteiligen und sich mit dem Begriff des Helden auseinanderzusetzen. Da ist es egal, ob jemand Männchen oder Weibchen ist ;-)

AvH

Vielen Dank für das kleine Interview und ich freue mich auf die beiden Workshops in der nächsten Woche!

Ein Kommentar

  1. Karin Rottmann

    Wir glauben, dass theaterpädagogische Methoden die Vermittlungsarbeit in Museen bereichert. Oft ist es so, dass durch gut ausgewählte Übungen eine intensive Auseinandersetzung mit den Kunstwerken ermöglicht wird. Wir haben bereits in vielen Projekten erlebt, dass sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer über theaterpädagogische Methoden in Bildfiguren hineinversetzen und aus deren Blickwinkel argumentieren lernen. Wer diese Methoden erprobt und die Charakterproblematiken leibhaftig erfahren hat, kann dann viel leichter als bei einem rein intellektuellen Diskurs die Außensicht auf ein Thema diskutieren.
    Wir hoffen, in den nächsten beiden Workshops mit den Jugendlichen diesen theaterpädagogischen Ansatz im Museum in der filmischen Dokumentation erlebbar zu machen und wünschen uns eine intensive Fachdiskussion über diesen Ansatz.
    Ich danke Omar El-Saeidi, unsere Arbeit über seinen professionellen Hintergrund bereichert zu haben.

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